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In der AfD gibt es eine Vietnamesin, die keine tatsächlichen Probleme mit Rassismus in Deutschland sieht und antirassistische Arbeit pauschal als „emotional“ und als schlechte Arbeit diskreditiert. 

Leider sind viele der Behauptungen, die wir oft von rechts -auch von Menschen mit vietnamesischem Hintergrund- hören, irreführend. Beginnen wir mit dem Vorwurf der Emotionalität.Viele Betroffene stecken in einer Falle: Ihre Erfahrungen werden erst verleugnet oder lächerlich gemacht. Reagieren sie darauf emotional, werden sie deswegen diskreditiert. @renireni hat ein ganzes Buch dazu geschrieben, hier eine Zusammenfassung.

Hinzu kommt: Medien reproduzieren diese Emotionalität, wenn es um Rassismus geht. Ständig müssen Opfer traumatische Geschichten ausgraben, die beweisen sollen, dass es wirklich Rassismus gibt. Keine Ahnung ob das Sadismus oder Ignoranz ist. Auf jeden Fall wenig zielführend.

Nicht falsch verstehen: Persönliche Erfahrungen öffentlich zu machen kann auch empowernd sein. Betroffene können sich weniger einsam fühlen, Diskurshoheit übernehmen. Wir tun das ja auch im Podcast. Ein weiteres schönes Beispiel: ichbinkeinvirus.org

Aber die meisten Menschen, die schon länger antirassistisch arbeiten, haben kaum Interesse an einer emotionalen, personalisierten Debatte. Es gibt so viel historische, philosophische, anthropologische, juristische Forschung zu Rassismus. So viel Policy-Arbeit für alle Ebenen.

Das (oft prekär, von Minderheiten erarbeitete) Wissen dringt nur leider kaum durch, sodass man sich ernsthaft fragen muss, warum. Ein paar konkrete Vorschläge für Deutschland hat z.B. @EOTOBerlin verfasst: zeit.de/politik/deutsc…

Nun zum Argument der „echten Probleme“ wie Armut. Die Sache ist: Man kann Rassismus und Klassismus nicht gegeneinander ausspielen. Ja, Armut ist schlimm. Armut ist aber noch schlimmer, wenn man nicht-weiß ist und sich die Chancen auf einen Job oder eine Wohnung nochmal verringern.

Das Stichwort dazu ist Intersektionalität, Kimberlé Crenshaw hat viel zu geforscht. In Kürze: Diskriminierungsformen überschneiden sich. Der Blick auf nur eine ist zu eng, um die komplexe Realität zu erfassen, viele fallen da hinten runter. Mehr dazu hier: intersectionaljustice.org/faq

Wir nehmen daher in unserer Arbeit den Satz von Audre Lorde zu Herzen und wünschen uns, dass es auch die AfD-Frau tun würde: „I am not free while any woman is unfree, even if her shackles are very different from my own.”

Zum Schluss noch: Das Interview haben wir bewusst nicht verlinkt, um ihm nicht noch mehr Reichweite zu verschaffen. Dafür viele andere Quellen, die unserer Meinung nach so viel lesenswerter sind.