Elf häufig gestellte Fragen

  1. Ich habe euch gerade entdeckt – mit welcher Folge soll ich anfangen?
  2. Warum podcastet ihr überhaupt?
  3. Woher kommen eure Themen? Kann ich eins vorschlagen?
  4. Ist Rice and Shine nur für Vietdeutsche?
  5. Woher kommt der Begriff „vietdeutsch“?
  6. Warum der Fokus auf Vietnam und nicht auf ganz Asien?
  7. Welche Technik benutzt ihr für die Aufnahme?
  8. Ich will einen eigenen Podcast starten, habt ihr Tipps?
  9. Wo kann ich mich weiter mit asiatischen Menschen vernetzen?
  10. Könnt ihr deutschsprachige Bücher & Artikel zu Vietnam und der vietnamesischen Diaspora empfehlen?
  11. Gibt es weitere deutschsprachige Podcasts von und für Schwarze und People of Colour, die ihr empfehlen könnt?

Ich habe euch gerade entdeckt – mit welcher Folge soll ich anfangen?

Besonders stolz sind wir auf „Boat People“ und „Hamburg 1980„, denn beide Folgen sind sehr aufwändig recherchiert und produziert. Wer mehr über uns persönlich hören will, kann reinhören in „Warum sind wir so K.L.U.K.?“, „Armut und Aufstieg“ und „Deutsche Ersatzverwandte“. Viel gelernt haben wir mit der Psychologin Main Huong Nguyen über Mental Health in der ersten und zweiten Generation. Wenn es mal weniger ernst (aber nicht weniger gehaltvoll) sein soll, dann empfehlen wir die „Bubble Tea“-Folge oder das Interview mit dem Gastronomen The Duc Ngo.

Warum podcastet ihr überhaupt? Was ist euch wichtig?

Wir hatten genug vom weißen, deutschen Blick auf unsere Communitys, denn er erlaubte uns keine Vielfalt, keine Widersprüche und keine offenen Fragen. Manchmal fühlten wir uns wie Tiere im Zoo – vor unseren gesellschaftlichen Käfigen ein Schild mit drei Schlagworten: fleißig, fügsam, unsichtbar. Im Podcast wollen wir, um im Bild zu bleiben, eigene Schilder schreiben, sie wieder verwerfen und unsere Käfige aufbrechen. Wir legen dabei Wert auf eine menschlich wertschätzende, fragende Herangehensweise. Wir lassen uns gerne überraschen und lernen ständig dazu. Und da gibt es noch eine Sache: Im Vergleich zu anderen Minderheiten leben nicht viele asiatische Menschen in Deutschland, entsprechend verstreut und einsam wachsen viele auf. Die Medien waren keine Hilfe, dort kamen asiatische Menschen lange (wenn überhaupt) nur in Klischees vor, mit denen wir uns kaum identifizieren konnten. Für manche schämten wir uns auch. Wir hoffen, mit „Rice and Shine“ dazu beitragen zu können, dass asiatische Menschen sich weniger alleine und komisch fühlen, sondern in ihrer Einzigartigkeit wunderbar normal, und dass ihre Gedanken, Sorgen, und Wünsche bei uns einen Platz finden.

Woher kommen eure Themen? Kann ich eins vorschlagen?

Unsere Themen kommen aus der Community. Manche bewegen uns schon lange, andere ergeben sich aus dem Tagesgeschehen. Wieder andere hatten uns Hörer*innen vorgeschlagen. Wir nehmen beim Erzählen oft eine antirassistische und feministische Haltung ein, machen aber keine große Sache oder ein eigenes Thema daraus. Vielleicht weil wir lieber erzählen als erklären, denn außerhalb des Podcasts erklären wir uns schon oft genug. Wenn ihr Themenwünsche habt, könnt ihr sie gerne per Mail an riceandshine.podcast@gmail.com schreiben.

Ist Rice and Shine nur für Vietdeutsche?

Im Grunde ist der Podcast für alle Menschen, die sich für vietdeutsche Perspektiven interessieren. Das können aus biografischen Gründen Vietdeutsche oder andere Einwanderer*innen sein, ihre Kinder und Enkelkinder – aber auch Alteingesessene, die schon immer mal einen Blick ins Innere der vietnamesischen Diaspora in Deutschland werfen wollten.

Woher kommt der Begriff „vietdeutsch“?

Wir haben ihn erfunden! Zumindest glauben wir das. Falls ihn jemand vor uns benutzt hat, lasst es uns gerne wissen. Wir fanden nämlich „Deutsch-Vietnames*innen“ ein furchtbar sperriges Wortungetüm, eine Fremdbezeichnung noch dazu. „Vietnamesische Deutsche“ fühlte sich nicht viel besser an. Wir überlegten uns deshalb ein griffigeres und geschlechtsneutrales Wort. Nach langem Hin und Her kam „Vietdeutsche“ raus. Es passt auch gut zu unserer Muttersprache, dort sind Vietnamesen người Việt und Vietnamesisch ist tiếng Việt. Ohne dieses -esisch.

Warum der Fokus auf Vietnam und nicht auf ganz Asien?

Hauptsächlich, weil wir nur für uns sprechen können und wollen. Ganz Asien abbilden ist uns zu ehrgeizig: Was ist das überhaupt? Gibt es etwas, das Afghan*innen mit Japaner*innen, Inder*innen und Malaysier*innen verbindet und von Bolivianer*innen oder Libanes*innen unterscheidet? Der Vietnam-Fokus erlaubt uns außerdem, mehr in die Tiefe zu gehen: emotional, historisch und politisch. Und je länger wir das machen, desto mehr merken wir, dass selbst dieser vermeintlich enge Fokus noch eine wahnsinnige Diversität beinhaltet. Diese wollen wir erstmal ergründen, bevor wir uns selbst wieder mit anderen in einen Topf werfen. Das geschieht von außen schon oft genug.

Welche Technik benutzt ihr für die Aufnahme?

Wir haben großzügige Arbeitgeber*innen, deren Studios wir für unseren Podcast nutzen dürfen. Können wir mal nicht ins Studio, setzen wir uns mit Aufnahmegerät (Zoom H4N oder iPhone) unter die Bettdecke – je mehr raue, weiche Flächen drumherum, desto besser. Wenn wir Gäste interviewen, stecken wir Mikros (Behringer Ultravoice XM 8500) an das Aufnahmegerät, dann klingen alle gut und man meidet Raumgeräusche. Podcasten wir aus unterschiedlichen Städten, dann telefonieren wir über Kopfhörer und nehmen jeweils unsere eigenen Stimmen auf. Unsere Tonspuren legen wir in einem Schnittprogramm übereinander. Früher nutzten wir die Freeware Audacity, inzwischen sind wir auf Hindenburg Journalist umgestiegen, das auf Audio-Storytelling optimiert ist. Die fertige Folge laden wir über Podigee hoch, von dort aus gelangt sie zu Apple Podcast, Spotify, Audible, uvm. Podigee sitzt in Berlin und sie helfen bei Fragen schnell weiter, haben aber leider keine anfängerfreundlichen Preise mehr (ab 12€/Monat). Günstiger wäre Podbean. Dort kann man fünf Stunden kostenlos hochladen, danach gibt es Pakete ab 8€/Monat .

Ich will einen eigenen Podcast starten, habt ihr Tipps?

Überleg dir, was deine Perspektive besonders macht: Deine eigene Biografie? Dein Humor? Deine Expertise? Deine Zugänge zu spannenden Personen? Technische Skills (z.B. was aufwändige, mit Musik untermalte Produktionen angeht)? Hast du eher selbst was zu erzählen (dann geht es um dich) oder bist du besser im Zuhören (dann geht es um andere)? Soll dein Podcast für eine Community sein oder willst du Aufklärungsarbeit leisten? Nimm dir Zeit für die Antworten darauf, denn sie bilden deine Marke. Überlege dir vor jeder Aufnahme, was am Ende hängenblieben soll. Was sind deine Anliegen? Mit welcher Stimmung sollen die Leute rausgehen: informiert, empowert, unterhalten oder inspiriert? Mach dir Stichpunkte für eine sinnvolle Gliederung, aber formuliere lieber keine Texte aus. Nur Profis schaffen es, Texte vorzulesen, ohne dass sie vorgelesen klingen. Nach der Aufnahme empfehlen wir dir, alles auszusortieren (also rauszuschneiden), was nicht zu deiner Marke passt. Gib dir Zeit, deinen Podcast zu entwickeln. Es gibt kein Scheitern, die Entwicklung ist ein ständiger Prozess. Auf dem Weg wird sich manches richtig anfühlen, anderes nicht. Wir haben zum Beispiel viele Folgen oder Passagen mehrmals aufgenommen, bis sie uns gefielen.

Wo kann ich mich weiter mit asiatischen Menschen vernetzen?

Es gibt ganz tolle Vereine und Initiativen, die regelmäßig Veranstaltungen organisieren, zum Beispiel Korientation, vlab, D.A.M.N – Deutsche Asiat*innen Make Noise, der Vietnam Stammtisch der Humboldt Universität in Berlin oder ACO in München. Ebenfalls ans Herz legen möchten wir euch die Künstler*innenkollektive MSG & Friends aus Berlin und tiger.riots aus Hamburg. Dort versammeln sich politisch aktive Kreative zu Performances, Protesten und Partys. Aktuelle Infos zu allen möglichen Veranstaltungen gibt es oft in der D.A.M.N.-Facebook-Gruppe. Für weitere Tipps sind wir immer offen. Wir empfehlen auch in unserem monatlichen Newsletter aktuelle Veranstaltungen, ihr könnt ihn mit einem Steady-Beitrag abonnieren.

Könnt ihr deutschsprachige Bücher & Artikel zu Vietnam und der vietnamesischen Diaspora empfehlen?

Es gibt leider nicht viel. Hier ist eine nicht vollständige, unkommentierte Liste an Werken, die uns einfallen. Vermisst ihr was? Schreibt uns.

Belletristik
Frogier de Ponlevoy, David. „Hanoi Hospital: Vietnam-Krimi“ (2016)
Nguyen, Viet Thanh. „Der Sympathisant“ (2018) und „Die Geflüchteten“ (2020)
Müller, Isabelle. „Loan: Aus dem Leben eines Phönix“ (2015)
Phan-Thi, Minh-Khai. „Zu Hause sein: Mein Leben in Deutschland und Vietnam“ (2008)
Vuong, Ocean. „Auf Erden sind wir kurz grandios“ (2019)

Sachbücher/Publikationen
Beth, Ute & Anja Tuckermann. „Heimat ist da, wo man verstanden wird: Junge VietnamesInnen in Deutschland“ (2008)
Friedrich-Ebert-Stiftung. „Die Unsichtbaren – Über die Vielfalt vietnamesischer Migration nach Deutschland“ (2017)
Ha, Kien Nghi. „Asiatische Deutsche“ (2012; Neuauflage 2020)
Nguyen, Phuong-Dan. „Die Deutschen Vietnamesen“ (2011)
Vietnam Zentrum Hannover. „Vietnamesen in Deutschland: Geflohen, geworben, geeint.“ (2012)
Wischermann, Jörg & Gerhard Will. „Vietnam: Mythen und Wirklichkeiten“ (2018)

Journalistische Beiträge
Bento: „Meine vietnamesisch-deutsche Familie: In meiner Frühlingsrolle“ (Phan Thieu Hoa Nguyen)
Deutschlandfunk: „Mein Dresden: Heimat tut weh“ (Anh Tran)
Deutschlandfunk: „Gekommen, um zu bleiben“ (Falk Steiner)
Deutschlandfunk Nova: „Neue Pfleger braucht das Land – aus Vietnam“ (Minh Thu Tran)
Scrollytelling: „Flucht aus Vietnam – mit dem Boot nach Hamburg“ (Kim Ly Lam)
WDR Cosmo: „Entschleunigtes Saigon“ (Minh Thu Tran)
ZEIT ONLINE: „Doppelt heimatlos?“ (Angelika Nguyen)
ZEIT ONLINE: „Rostock-Lichtenhagen: Jetzt wollen sie uns umbringen!“ (Dan Thy Nguyen)
ze.tt: „So offenen Rassismus wie in Corona-Zeiten habe ich noch nie erlebt“ (Nina Monecke)

Vanessa hat einige Artikel für ZEIT ONLINE geschrieben, hier eine Auswahl:
„Warum hat Deutschland Do Anh Lan vergessen?“ und „Das Leben danach“ (zum Brandanschlag in Hamburg 1980)
„Man darf sich nicht von Meckerern beeindrucken lassen“ (Interview mit Christel Neudeck, Mitbegründerin der Cap Anamur)
„Meine Schrottcontainerkindheit“ (über das Aufwachsen im Asylbewerberheim)
„Die Neuen Ossis“ (Portrait eines Vietnamesen in Cottbus)
„Bete für mich“ (zur Lkw-Tragödie in England)

Welche weiteren Podcasts von und für Schwarze und People of Colour könnt ihr empfehlen?

Erstmal credit where it is due: Frank Joung zu hatte schon 2016 Halbe Katoffl gestartet und als erster Podcaster of color regelmäßig deutschsprachige Diskussionen über Identität und Zugehörigkeit veröffentlicht. Für seine Vorarbeit sind wir ihm sehr dankbar und sprechen eine unbedingte Hörempfehlung aus. Rice and Shine ist unseren Recherchen nach übrigens der zweite solche Podcast, mit Fokus auf eine spefizische Identität, seither kamen immer mehr dazu. Mit Asienbezug empfehlen wir diaspor.asia von Xinan und Cuso, Mais Podcast von Mai, Bin ich Süßsauer? von Sung Un und DonnaSori von Thea Suh. Podcasts mit asiatischen Hosts ohne Fokus auf asiatische Perspektiven wären u.a. Anderssein von Minh-Khai Phan-Thi (Neunzigerjahre-Kids kennen sie vielleicht noch als Moderatorin bei VIVA) und #metoo – Das Schweigen hat ein Ende von Mai Nguyen. Darin spricht sie über ihre Erfahrungen mit jahrelangem, sexuellen Missbrauch durch einen „Freund der Familie“.

Ansonsten mögen wir: Kanackische Welle von Malcolm Ohanwe & Marcel Aburakia, Two Blacks & A Jew von Azeret Koua, Vincent Kadiri & Nathan Bechhofer, Gedankensalat von Delal & Erva, Realitäter*innen von Lucia Luciano und Gizem Adiyaman, BBQ – Der Black, Brown, Queere Podcast von Zuher Jazmati & Dominik Djialeu, Matatu von Caro, Jackline & Paul, Tupodcast von Tupoka Ogette, Punch Up von Newroz und Wakandische Welle von einem losen Kollektiv Schwarzer Journalist*innen.